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Gulen (Norwegen) 2018

26.05.2018 - 02.06.2018

Tauchsport Käsers Gruppenreise nach Gulen – Auf den Spuren des 2. Weltkrieges

Der Startschuss für unsere langersehnte Gulenreise fiel am Samstag 26.5. Endlich mal mit dem Trocki in die Ferien – für einige eine Premiere. Das Gepäcklimit von 23 kg liess einige am Check-in zittern. Dank der Grosszügigkeit des KLM Mitarbeiters dürften wir ohne Zahlung des Übergepäcks von 24kg alles mitnehmen. Aber hatten wir nicht zwei weitere Taschen mit „nur“ 21kg? Egal, man kann ja mal grosszügig seinJ

Ohne Zwischenfälle ging es via Amsterdam nach Bergen. Voll bepackt mit unseren 23 Taschen, wurden wir von Guido und Ørjan erwarten. Mit einem genügend grossen Bus fuhren wir von Bergen Richtung Norden zum Dykkesenter Gulen (norw. für Divecenter).
Am gefühlten Ende der Welt am traumhaften Sognefjord erwartet uns das neue Zuhause für eine Woche. So lässt es sich leben! Die vierköpfige Crew war schnell bekannt: Monica unsere Köchin, Ørjan unser Kapitän, Gido unser Allrounder rund ums Tauchen und Steffi unsere Allrounderin rund ums Essen/Trinken und Wohnen. Nicht zu vergessen die kleine schwarze Raubkatze Fanta, die sich gerne auf unseren Unterziehern räkelte.

Alle etwas müde von den Strapazen des Reisens und mit etwas verwirrter biologischer Uhr aufgrund des Sonnenuntergangs um 22.00 Uhr, genossen wir den ersten Abend im Paradies.

Am Sonntag morgen starteten wir sehr gemütlich in den Tag, mit wunderbarem Wetter, warmen Temperaturen und das Hausriff vor uns. Gido – die wichtigste Person in dieser Woche wenn es ums Tauche ging, erledigte mit uns den Papierkram und das Dive(center)-Briefing. Dann ging es endlich ans zusammenschrauben und bereit machen. Mit Hilfe von Gido erhielt jeder was er brauchte und das die ganze Woche. Egal ob Flossen, Maske oder Kamera Gido kannte jede Ausrüstung einzeln!

Kann es uns noch besser gehen? Ja, unter Wasser!!
Auf den Spuren von Joko und Klaas fanden wir das Wrack der Wintiplex, das im letzten Jahr vor laufender Kamera versenkt wurde. Leider war der legendäre Wolfsfisch nicht zu Hause und so ging es am Nachmittag zum ersten Mal aufs Schiff.
Durch die Fjorde cruisend kuschelten wir uns im relativ platzsparenden Boot aneinander, aber wir haben uns ja alle gern und sind auf der kleinen Tauchplattform gut organisiert. In 3 Gruppen ging es ab ins Wasser um das erste Wrack zu inspizieren – die Bandak. Die Bandak sank leider zweimal. Das erste Mal im Jahr 1937 als sie mit einem anderen Schiff in der Meerenge zwischen Schweden und Dänemark kollidierte und sank. Aufgrund der Rohstoffknappheit in der Nachkriegszeit wurde sie geborgen und repariert. In einer Sturmnacht 1949 kollidierte sie erneut, dieses Mal mit einem Felsen und sank zum zweiten Mal. Die Bandak ist wunderschön bewachsen, jedoch schon etwas zusammengefallen. Der Abschluss des Tauchgangs führte uns in den Kelpwald oberhalb des Wracks.
Am Abend wurde das erste Mal rumgeheult. Nein, niemand war am flennen... es waren die Werwölfe die Gulen überfielen und die Abendbeschäftigung „Das Werwolf-Spiel“ wurde eingeläutet. Das Dorf lebte von nun an in Angst und ohne Liebe, denn „Amor“ wurde zuverlässig als Erster gefressen oder auf den Scheiterhaufen geworfen.

Am Montag wurden gleich 3 Wracks betaucht. Auf den Spuren des 2. Weltkriegs wurde die Ferndale & Parat erkundet. Die Ferndale wurde im Dezember 1944 Opfer von britischen Bomber. Zuerst auf Grund gelaufen wurde sie von der Parat repariert. Doch am nächsten morgen wurden beide Schiffe von britischen Bomber gesichtet und gemeinsam versenkt. Vereint auf dem Grund aufrecht liegend bieten die Parat auf 45-60m und die Ferndale auf 7- 45m ein Stück Geschichte für Taucher.

Der zweite Tauchgang führte uns zur DS Havda. Eine tragische Geschichte eines Passagierschiffs, welches in Kriegszeiten Opfer eines Fehlangriffs wurde. Oder war doch ein Spion der Deutschen an Bord, wie die Gerüchteküche zu erzählen weiss? Leider wurde sie so oder so von britischen Bomber versenkt und liegt auf 15-25m auf Grund und bietet eine wunderschöne Unterwasserwelt.
Der Tag wurde für die einen mit einem Rifftauchgang und für zwei andere mit einem Sprung in den 14°C warmen norwegischen Fjord mit anschliessendem Bad im Hottube abgerundet.

Am nächsten Tag ging es zur fantastischen Frankenwald. Ein Freiwasserabstieg an der Boje in die Tiefe zu einem weiteren Stück Geschichte des 2. Weltkriegs bereitete niemandem Probleme. Majestätisch liegt die Frankenwald in zirka 44 Meter Tiefe und wartete auf uns. Das 122m lange und 18m breite Wrack, welches einst mit Eisenerz beladen durch die norwegischen Fjorde unterwegs war, wurde leider auch ein Opfer eines Sturms. In der Nacht des 6. Januars 1940 traf deutscher Stahl auf norwegischen Stein. Aufgrund des Sturms, schlechter Navigation zweier norwegischen Lotsen und eines Kapitäns der die Brücke kurz verliess, kollidierte sie in einer Meeresenge des Fjords und sank. Das Wrack ist in sensationellem Zustand, an wenigen Stellen gefahrlos eindringbar und sehr eindrücklich.

Dieser dritte phantastische Tauchtag wurde ebenfalls von einigen mit einem Hausriff- Tauchgang abgerundet, der Wolfsfisch allerdings immer noch in den Ferien. Mehrere mutige genossen einen erfrischenden Sprung ins kühle Nass, was ab diesem Abend ein Muss wurde für den Rest der Woche.

Am Mittwoch stand uns ein harmloser aber geschwindigkeitsdrosselnder Dieselsystem-Fehler vor den nächsten Wracktauchgängen. Trotz Reparaturversuchen mussten wir zurück zum Divecenter tuckern. Kurz vor dem Hausriff sprangen wir ins kühle Nass und wurden an der Trollwand vom Troll in die Tiefe gelockt. Nach kühlen 75 Minuten (eine Herausforderung für alle Blasen) erreichten wir das Hausriff – ausser einer, der nahm die Option Wassertaxi. Gemütlich ging es nach dem Mittagessen zum 2. Tauchgang am inneren oder äusseren Hausriff. Einige (Autorinnen inklusiveJ) hatten heute sogar zwei Mal das Glück den legendären Wolfsfisch zu sehen, für den Rest blieb er weiterhin ein Mythos.

Am nächsten Tag war dann unser Boot wie neu und fuhr uns hinaus zur Tyrifjord, ebenfalls ein Transporter, welcher Opfer britischer Bomber wurde. 2 Tage kämpfte die Tyrifjord gegen ihren Untergang trotz beachtlichem Schaden. Im hinteren Teil sehr gut erhalten und wunderschön bewachsen liegt der 101m lange und 14m breite Frachter auf 25-37m Tiefe.

Nach einer leckeren und Lebensgeister weckenden Spargelsuppe ging es ab zum zweiten Wrack des Tages – die Solvang II. Sie ist unspektakulär gesunken aufgrund fehlerhafter Befestigung am Anleger und anschliessend Tuchfühlung mit einem Felsen. Oder war es doch Versicherungsbetrug? Die Gerüchteküche ist sich auch hier nicht einig.

Abgerundet wurde der Tag wie immer mit einem weiteren Hausrifftauchgang, einem Sprung ins kühle Nass und Wolfsgeheule zu Schlafenszeit.

Der letzte Tauchtag war angebrochen, voller Vorfreude auf einen runden Tauchgang der einen Autorin, begaben wir uns auf Schiff für den letzten Wracktauchgang an der DS Welheim. Also los: Motoren an! Aber ausser einem schwachen Klicken war kein Mucks zuhören. Alle Ideen von Kapitän Ørjan brachten nichts, auch die Telefonkonferenz erbrachte nicht den gewünschten Erfolg. Nach einer Stunde warten, beförderte uns Plan B trotzdem ins kühle Nass. Für drei ging es mit dem Zodiac nochmals zur Ferndale & Parat, die Anderen erfreuten sich solange wie möglich am wunderschönen Hausriff an den Nudi branches und am Wolfsfisch. Ein toller Abschluss für unsere erste und bestimmt nicht letzte Gulen-Tauchreise!

Der letzte Nachmittag wurde mit Trocknungs- und Packaktionen oder mit den letzten Schwimmzügen im Sognefjord genossen. Einige nutzten noch die zwei Kanus für kurze Erkundungstouren rund um die kleinen Inselchen.
Beim gemütlichen Austrinken unserer Vorräte, genossen wir noch die letzten norwegischen Sonnenstrahlen und plauderten mit unseren Gastgebern Ørjan und Monica.

Nach einer Woche voller eindrücklicher Tauchgänge, sehr leckerem Essen, lustigen Stunden am Abend trotz lästiger Mückenplage bei Sonnenuntergang, machten wir uns wieder auf den Weg in die Schweiz.
Zurück bleiben fantastische Erinnerungen! Merci Michu für die tolle Organisation und Danke Gulen Dive Resort-Crew für die tolle Beherbergung! We will come back soon
J

Autorinnen: Viviane und Sabrina

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