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Komodo 2018

27.09.2018 - 14.10.2018

Komodo 2018 – ein Reisebericht

„Attention, attention, I have something to mention!“ so beginnt jeweils der Küchenchef seine Präsentation des Abendessens auf der Indo Siren. Doch der Reihe nach…

Am Donnerstagmorgen kommt der Grossteil der Gruppe am Flughafen Zürich zusammen. Beim Zwischenstopp in Singapur und dann auf Bali stossen auch die letzten Taucher zu uns. Therese und Urs reisen aus China an und führen „Pollo IV.“ mit im Gepäck! „Pollo IV.“ führt eine Käser-Tauch-Tradition fort und wird zukünftig Taucher, die etwas vergessen haben, bei ihrem nächsten Tauchgang begleiten. Unsere Gruppe auf Komodo ist jedoch äusserst diszipliniert, so dass Pollo IV. kaum tauchen durfte. Vielmehr erfreut sich die Crew der Indo Siren am herzzerreissenden Geschrei des gerupften Gummi-Hahns. Dänu und Denise welche Foto-Akkus, bzw. die Kamera gänzlich vergessen haben, vermochten sich vor „Pollo IV.“ drücken. Als Urs aber seinen Neopren gleich zweimal verkehrt angezogen hat, musste/durfte Pollo doch noch ins Wasser!

Am nächsten Tag fliegen wir mit einer kleineren Propellermaschine von Denpasar nach Bima, wo wir, nach einem gefühlten Autorennen vom Flughafen zum Hafen auf die Indo Siren an Bord gehen. Zuerst dürfen wir unsere Schuhe (die wir in den folgenden zehn Tagen nur sehr selten brauchen werden!) abgeben, es folgt der obligate Welcome-Drink und das erste Briefing: Safty-Briefing inklusive Alarm-Übung mit der Rettungsweste! Es ist gar nicht so einfach eine Rettungsweste korrekt anzuziehen.

Die erste Nacht auf der Indo Siren ist durch erhöhten Seegang „bewegt“ und das Schiff knarrt und knorzt unentwegt. Manch einer schläft wohl nicht ganz so gut, bzw. tief. Vor dem ersten Tauchgang sind denn auch einige von Symptomen der Seekrankheit betroffen. Dank unserer medizinischen Abteilung, bestehend aus dem Facharzt Housi, der Krankenschwester Sue und der „wandelnden Apotheke“ Fanny, können schlussendlich doch alle abtauchen.

Dieser und auch die folgenden zehn Tage folgen stets mehr oder weniger demselben Ablauf:

6.30 Uhr - Chu klopft an die Kabinentür und ruft ein fröhliches „Good Morning, this is your Wake-Up-Call!“ Zu diesem Zeitpunkt haben Therese und Urs bereits ihren Frühsport auf dem Sonnendeck vor der aufgehenden Sonne hinter sich gebracht. Der grosse Teil der Gruppe torkelt jeweils verschlafen an Deck und nehmen das „Small Breakfast“, meist bestehend aus Toast und Kaffee, zu sich. Wir Schweizer haben dermassen viel Toastbrot gegessen, dass dieses gegen Ende unserer Tauchsafari ausgehen wird!

7.00 Uhr - Das erste Tauchbriefing, meist von Tristan vorgetragen, mit teilweise höchst abenteuerlichen Erklärungen zu den Namen von Inseln und Tauchplätzen. Maximale Tauchtiefe 30 Meter und maximale Tauchzeit meist 60 Minuten. Die 16 Taucher sind in vier Gruppen (Dingi 1 bis 4) eingeteilt und werden rotierend von den Tauchguides Shu, Ed, Tristan und Ghee geführt. Jeder Tauchguide hat so seine Besonderheiten: Ghee ist stets nervös hin und her düsend auf der Suche nach Pygmy-Seepferdchen, Ghostpipefischen und anderen Kleinoden um Komodo. Ed ist, einer Schildkröte ähnlich, ganz der ruhende Pol, hat stets seine Gruppe im Blick und im Griff. Shu ist eine Mischung aus Ed und Ghee. Tristan macht beim Briefing oft pessimistische Angaben betr. Wassertemperatur und bevorzugt wohl wärmeres Wasser. Mit ihm geht es meist rasch in die Tiefe und dann auch wieder rasch hoch zum Safty-Stop. Nur selten taucht seine Gruppe volle 60 Minuten.

8.45 Uhr - Nach dem Tauchen sind denn auch alle gänzlich wach und bereit fürs „ordentliche“ Breakfast, bestehend auch Eiern zubereitet wie individuell gewünscht, Nudeln, Speck, Bohnen, Früchten… kurz, es gibt eigentlich alles, was man sich so wünscht!

10.30 Uhr - Zweites Tauchbriefing! Während wir uns vorbereiten serviert der immer herzlich lachende Joe Getränke und die gesamte Crew hilft immer und überall. Stets sind die richtigen Flossen, Kameras und die weiteren Ausrüstungsgegenstände auf den Dingis!

12.30 Uhr - Lunch: Fisch, Fleisch, Gemüse, Reis… Das hervorragende Küchenteam verwöhnt uns mit vielerlei kulinarischen Kreationen. Traditionelle Indonesische (häufig auch schärfer!) Gerichte werden gekonnt mit eher europäisch-westlichen Gerichten ergänzt. Jeweils nach dem Essen und vor dem Tauchen wird fleissig gelesen, gesonnt, viel gedöst, bzw. geschlafen, Serien geschaut und vieles mehr…

14.30 Uhr - Drittes Tauchbriefing. Die vier Gruppenmitglieder von Dingi 1 bis 4 machen sich bereit und fahren sodann zum Tauchplatz hinaus. Unser Iron-Diver David (40 Tauchgänge während der gesamten Reise) ist stets der Erste auf dem Dingi und auch beim Essen! Urs hingegen ist auch mal aus dem Dingi gefallen.

16.30 Uhr - Snack. Dänu hat es einmal korrekt zusammengefasst: Auf der Indo Siren wird stets eine Glocke geläutet, wenn etwas Wichtiges ansteht. Wenn die Haare noch nass sind, gibt es zu essen und wenn die Haare trocken sind, gehen wir tauchen!

18.30 Uhr - Viertes Tauchbriefing. Nun stellt sich für einige Taucher die Frage „Bintang oder Nachttauchgang“. Viele geben dem angeblich mässig guten (Ich habe es bedauerlicherweise nie versucht!) lokalen Bier den Vorzug. Die Nachttauchgänge haben sich jedoch stets gelohnt: Meist handelt es sich um Tauchgänge im flacheren Wasser mit sandigem Grund. Je nach Anzahl der Taucher muss das Unterwasser-Lampen-Gewusel jeweils witzig anzuschauen gewesen sein. Denis kommt während dem Nachttauchgang vor Banta Moncho erst einem Riffhai nahe und wird dann später von einer genervten Schildkröte regelrecht attackiert!

20.00 Uhr - Dinner. Nach der servierten Suppe stellt der Küchenchef die vielseitigen Gerichte vor. Er öffnet Buffet-Schale um Buffet-Schale und wirkt jeweils überrascht ob dem Inhalt. Es gibt auch immer zwei Saucen: Eine scharfe und eine, na ja, immer noch scharfe! „And, at last, steamed rice from Bima!“ Chu gesellt sich jeweils zu uns zum Essen und stellt anschliessend den nächsten „Tagesbefehl“ vor. Für uns von Interesse ist stets, wann das Schiff in der Nacht die Anker lichten und zum nächsten Standort fahren wird. Diese Manöver bedeuten, je nach Kabine mehr oder weniger Lärm durch die Ankerketten und/oder die Motoren… 

Die Unterwasserwelt rund um Komodo ist fantastisch, vielfältig und bunt, mit oft erheblichen Strömungen und auch teilweise sicht- und fühlbaren vulkanischen Aktivitäten. Von Grosstieren wie Mantas, Black-, Whitetip- und weiteren Haiarten, Schildkröten und Rochen bis hin zu Kleinstlebewesen wie Frogfischen, Schaukelfisch, Pygmy-Seepferdchen, Sepien und Nacktschnecken aller Art findet man fast alles, was des Tauchers Herz erwärmt! Irene hat angeblich gar von Nacktschnecken geträumt!

Einige Tauchgänge sind besonders bemerkenswert:

Shotgun: Wo der pazifische und der indische Ozean zwischen zwei Inseln aufeinandertreffen entstehen starke Strömungen mit welchen sich Taucher regelrecht über eine Kuppe schiessen lassen können. So ist jedenfalls unser Plan! Ein schöner Blacktip-Hai, der unsere übermässige Aufmerksamkeit bekommt, und ein paar kommunikative Missverständnisse unter Wasser führen dazu, dass Shu’s Gruppe in Reih und Glied genau beim Abschuss-Punkt angehakt und führerlos wird. Für Pädu’s Riffhacken, bzw. dessen Drahtseil, ist die Strömung zu stark… Als dann die nächste Gruppe auftaucht, lassen wir uns, mit nun mässiger Beschleunigung, abschiessen um gleich danach zum Safty-Stop auszutauchen. Der Tauchgang hat auf verschiedene Weise gezeigt, dass sich die Gruppenmitglieder gut ergänzen und wir uns absolut, insbesondere in unvorhergesehenen Situationen, auf einander verlassen können!

Manta-Alley: Unter anderen wegen der Mantas sind wir nach Komodo gereist. Bereits bei einem früheren Tauchgang haben wir einige Mantas gesichtet. Nun, im Süden Komodos, kommen wir bei bewölktem Wetter aber doch 25 Grad Wassertemperatur den Mantas nahe. Als Taucher mit dem Riffhaken angehakt in der Strömung schwebend, gleiten die sanften, erhabenen Mantas in Rudeln vor und über uns hinweg! Das Erlebnis ist atemberaubend, ja unvergesslich schön!!

GPS-Point: Auch dieser Tauchplatz ist für seine starken Strömungen bekannt. Vom Dingi negativ und rasch abtauchend hacken wir uns auf 25 bis 30 Meter ein. Zu beobachten sind insbesondere Haie. Dann, wenn die Luft langsam ausgeht, lassen wir uns ins weite Blau des Ozeans raustragen um den Tauchgang mit Safty-Stop zu beenden. Soweit der Plan! Tatsächlich waren da keine Haie und die Strömung (inkl. Auf- und Ab-Strömungen beim austauchen!) war dermassen stark, dass die einzelnen Gruppen weit auseinander auftauchten. Es bleibt das Gefühl, wie in einer Waschmaschine den Elementen ausgeliefert gewesen zu sein!

Makassar Reef: Zu Beginn kämpfen wir gegen die Strömung zum Riff hin, bevor sich dann Tristan dazu entschliesst, über weite Einöden hinweg mit der Strömung zu tauchen. Mit bloss einem einsamen Kofferfisch und einem Manta in weiter Ferne war dieser Tauchgang für mich gerade aufgrund der Ruhe und dem Fehlen von Farben und Lebewesen, ein Highlight! Denise empfindet die „Wüste“ als zu langweilig… und Tristan singt hörbar etwas von einem einsamen Pferd!

Zur Abwechslung (vom Tauchen) besuchen wir zweimal Aussichtspunkte auf den Inseln um den Sonnenuntergang zu geniessen. Unser Schiffsarzt Housi verabreichte dabei den neugierigen Hirschen am Strand Bintang, während Dänu ganz cool gegen den Sonnenuntergang urinierte!

Ein weiterer Ausflug führt uns zu den Komodowaranen im Nationalpark auf Rinca. Einige dieser faszinierenden Urtiere ruhen sich unter den Häusern der Ranger aus. Der folgende kurze Rundgang führt an Nestern vorbei und der Führer gibt uns umfassende Informationen zur Lebensweise der grossen Echsen. Viel beeindruckender ist sodann das Beobachten von frei lebenden, nicht an Menschen gewöhnten, Waranen am folgenden Tag! Diese wandelten ruhig auf dem Strand und wir konnten uns mit dem Dingi nähern. Gemäss Schiffscrew hätten die Tiere jedoch beim Betreten des Strandes umgehend attackiert.

Nach zehn Tagen und 32 Tauchgängen um Komodo packen wir vor Bima unsere Sachen zusammen, bezahlen unsere individuellen Rechnungen und feiern den letzten Abend an Bord der Indo Siren. Dänu hat mit USD 15 einen neuen Rekord an Gebühren fürs Kleiderwaschen aufgestellt! Dass einige Kabinen nachweislich von Bettwanzen befallen waren bleibt als negativer Punkt zu erwähnen. Doch summa summarum haben wir eine wunderbare Tauchsafari in einem einzigartigen Gebiet erlebt.

Unsere Reise führt zurück nach Denpasar und dann mit dem Bus in den Norden von Bali. Die 4-stündige Fahrt quer über die Insel führt uns in die begrünten Berge, vorbei an den Zwillingsseen, ins Ressort „Pondok Sari“ nach Pemuteran. Nach den durchstrukturierten Tagen auf dem Schiff, ist nun jeder frei, sein Tagesprogramm zu wählen. Die günstigen Massage- und Wellnessangebote im hoteleigenen Spa, aber auch ausserhalb, werden rege von allen genutzt. Irène und Fanny reden gar von „Wellness-Stress“. Andere machen die nähere und weitere Region auf gemieteten Scootern unsicher. Denise, Rolf, Housi und ich verfahren uns auf der Suche nach dem Baum, durch den die Strasse hindurch führt (Bunut Bolong), heillos und haben dennoch grossen Spass über teilweise abenteuerliche, verdammt steile, Strassen. Auch der nahe Bali-Tower, Aussichtspunkt mit gehobener Gastronomie mitten im Naturschutzgebiet, war ein beliebtes Ausflugsziel der Töffli-Fahrer.

Als Gruppe finden wir uns immer noch regelmässig, insbesondere zum Frühstück und Abendessen zusammen. Schon nach wenigen Tagen finden wir unser Stammlokal, wo uns am letzten Abend Poulet nach Art des Hauses serviert wird.

Auch auf Bali wurde weiterhin getaucht: Direkt vor dem Ressort und vom Strand zu betauchen, befindet sich das Korallenförderungsprojekt „Bio-Rock“. Der Taucher findet in einer Tiefe bis 15 Meter von einem Künstler gestaltete Draht-Skulpturen, auf welchen das Korallenwachstum mit leichtem Strom gefördert wird. Gelohnt haben sich auch die Tauchgänge im Nationalpark Bali Barat: Nette Strömung und vielfältige Korallen- und Tierwelt entlang von Steilwänden in traumhaften Lichtverhältnissen!

Dass auch auf Bali der Untergrund in Bewegung ist, spüren wir, als die Erde mitten in der Nacht eine gefühlte Ewigkeit stark gebebt hat. Für die Anwohner war dies jedoch nur eines von vielen „normalen“ Erdbeben und einige unserer Reisegruppe haben es denn auch verschlafen.

Nur zu schnell verfliegen diese letzten Ferientage im Ressort und wir müssen schon wieder packen und diesmal nach Hause fliegen. Mit Whirlpool-Party und üppigem Abendessen, begleitet von Bintang und Arak, lassen wir es am letzten Abend noch einmal richtig krachen! 

Ich habe wunderbare und vielseitige Tauchferien mit einer ausgezeichneten Reisegruppe erlebt! Danke Euch allen…

Bericht: Adrian Bühler

Fotos: Daniel Schmid

Film: Daniela Cornacchia

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